uBoot – Ja was ist denn das?

uBoot – Ja was ist denn das?

Kann sich noch jemand aus grauer Vorzeit an uboot.com erinnern? Ich mich schon. Lange bevor die Begriffe Social Media, Web 2.0 oder ä hnliches geboren waren, gab es uboot.

Und jeder konnte eintauchen. Man konnte sich mit Leuten virtuell befreunden und Chatten, Bilder sehen und ähnlichen Blödsinn machen. Es war das Social Network der frühen 2000er. Dann tauchte es ab. Jedoch nur um im Jahr 2011 wieder aus dem Untergrund nach oben zu wandern. Vielleicht – oder wahrscheinlich – wird es die Oberfläche jedoch nicht erreichen, denn was wurde aus dem Social Network?

Von den Inhabern der Social Media Agentur Stefan Unterberg und Stefan Schmertzing gekauft, mit Marlis Rimler und Jürgen Schmidt geführt und als eigene GmbH verpackt, erhielt uboot ein Facelifting und durfte seinen Charakter von Grund auf ändern. Der grundlegende Gedanke des Relaunches war wohl User von Facebook abzugreifen und etwas eigenes auf die Beine zu stellen. Soweit ja noch nicht verkehrt. Jedoch gingen die Überlegungen scheinbar weiter und man dachte, dass die vielen User auf Facebook wohl alle nicht unbedingt damit zufrieden wären ihre Facebook-Spiele wie Mafia-Wars oder Farmville zu spielen, sondern auf der Suche nach direkter Konkurrenz seien. Ein Gedanke den ich nicht unbedingt nachvollziehen kann.

So kam es jedenfalls, dass uboot quasi nur noch aus Challenges besteht. Ja, das alte uboot findet man nach mühsamer Suche unter dem präfix “classic”, jedoch hat sich hier offensichtlich nur an der Technik ein wenig verbessert. Die in den Augen schmerzende Schrift blieb gleich. uboot hatte eigentlich schon lange ausgediehnt. Waren es 2006 noch in etwa 6 Millionen UserInnen, verlor uboot durch MySpace, Facebook, Studi- und MeinVZ nach und nach UserInnen bis es 2010 nicht einmal mehr 200 Tausend – also ein Dreißigstel – wog.

Der wohl beste Gedanke beim Relaunch von uboot war es, nicht mit Facebook konkurrieren zu wollen. Jedoch pokert die Führungsriege hoch wenn sie Facebook als Partner nennen. Was besonders interessant ist, ist die Behauptung uboot ins Web 3.0 gehoben zu haben. Web 3.0? Semantik. Doch die Vorstellung von Semantik unterscheidet sich eindeutig von der Realität. Die User auf uboot müssen ihre Freunde und den Content nach einem 5-Sterne System raten, damit die Daten richtig erfasst werden. In der Praxis wahrscheinlich ein wenig genutztes Feature. Stellen sie sich vor sie müssten jedes Facebook-Kommentar raten. Das automatische Rating hingegen wird ebenfalls behandelt, allerdings mit einer Methode über die ich nicht viel in Erfahrung bringen konnte und mich daher keines Kommentares erdreiste.

Stichwort Privatphäre. Das neue uboot rühmt sich damit wesentlich mehr auf Privatsphäre zu geben als andere Social Networks. Jedoch darf man nicht vergessen, dass uboot sich in Zukunft in Richtung Social eCommerce ausrichten möchte und zu diesem Zweck sämtliche Nutzerdaten speichert und verarbeitet. Das ist zwar nicht ungewöhnlich, denn ein Unternehmen möchte schließlich Umsatz machen und zu diesem Zweck kann es entweder seine User zahlen lassen oder die Daten der User für personalisierte Werbung verwenden – wozu sie allerdings wie bei Facebook & Co. gespeichert werden.

Auch wenn uboot in den nächsten Tagen/Wochen in englischer Sprache ausgerollt wird, sprechen die komplexe Handhabung und der etwas unsoziale Charakter der Plattform gegen den Relaunch. So kann man sich zwar via Facebook registrieren, jedoch ist es nicht möglich (vielleicht nur ein temporärer Bug) seine bereits auf uboot registrierten Facebook Freunde zu finden.

Man gelangt unter der Rubrik Buddies leider immer nur auf den Challenge Bildschirm.

Auch die Startseite bietet leider nicht so etwas wie eine Timeline und Standardfunktionen wie das hinterlassen von Statusmeldungen oder ähnlichem fehlen. Mit uboot ist es scheinbar zum derzeitigen Stand nur möglich Wetten auf irgendwelche Dinge abzuschließen, was dazu führt, dass uboot wohl mehr ein Wettportal ist, denn ein wirkliches Social Network.

7 Kommentare

  1. AirborneAngel

    Treffend geschrieben! Nur hättest vielleicht noch schreiben können dass es das eigentliche (social-) UBoot seit Anfang 2011 nicht mehr gibt und das Classic nicht den Bruchteil des alten Bootes kann.

  2. gernot mayer

    ich finde es sehr interessant was die hier tun. damit koennten sie das alte uboot retten … mit web 2.0 weiter zu machen ist einfach zu spaet, da muessten sie gegen fb kaempfen und das schafft weder myspace noch studivz usw … diese neue idee find ich witzig …

    • Michael Vaclav

      Hallo Gernot!

      Schön, dass dir das neue uboot gefällt. Was genau begeistert dich daran? Vielleicht kannst du mich überzeugen?

      Du schreibst, dass es zu spät sei mit Web 2.0 weiter zu machen. Wenn wir die Unterscheidung zwischen Web 2.0 und Web 3.0 aufgreifen, stellt sich natürlich die Frage ob Semantik alleine diesen Unterschied ausmacht – was ich nicht glaube. Wäre das der Fall würden wir nur von Web 2.1 reden denke ich ;-)

      Außerdem ist das was bei uboot unter aktiver und passiver Semantik beschrieben ist nicht das A & O was Semantik angeht. In dem Moment in dem der User selbst seine Freunde “raten” muss, kann nicht wirklich von Semantik gesprochen werden, oder? Wie genau die passive Semantik funktioniert konnte ich leider nicht herausfinden, allerdings vermute ich, dass es um verwendete Schlagworte gehen wird – aber korrigiere mich wenn ich mich irre – und nicht um den Einsatz von Synonymlisten wie z.B. bei einem Lucene/Solr Server (was ebenfalls für das Web der Zukunft noch zu wenig ausgereift ist).

      Ich glaube jedenfalls, dass wir noch nicht im Web 3.0 angekommen sind – und uboot folglich ebenfalls nicht.

  3. Die damaligen Uboot – User befinden sich hier, nach dem uboot.com seine User im Stich gelassen hat.

  4. Demonstrant

    Uboot ist seit über einem Jahr Geschichte, die jetzigen Macher haben die ehemals so gute Community in den Ruin getrieben, ausser löschen und zensieren sind sie zu nichts in der Lage – schade drum – aber nicht mehr zu ändern:-(((

    Mit leeren Versprechungen wie auch einem iPhone 4 – wwlches anscheinend nie jemand erhalten hat, hat man die Leute über ein Jahr lang vera…….Uboot wurde zur Schande für ganz Oesterreich.

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